
Wenn Emilio Valerio morgens durch seine Weinberge geht, kann er an klaren Tagen die Pyrenäen sehen.
Laderas de Montejurra liegt in Dicastillo, wo die Familie Valerio seit dem 14. Jahrhundert verwurzelt ist. Auf 70 Parzellen zwischen 400 und 700 Metern Höhe wachsen alte Garnacha-Reben auf Kalkstein. Hier arbeitet der französische Önologe Olivier Rivière. Die Bio-zertifizierten Weine zeigen eine bemerkenswerte Frische und Mineralität.
Kalkstein und Höhenrausch
Die Weinberge von Laderas de Montejurra erstrecken sich über
40 Hektar auf 70 verschiedenen Parzellen an den Hängen des Montejurra-Massivs. Was diese Lage so außergewöhnlich macht, sind die extremen Höhenunterschiede: Während die tiefsten Lagen bei 400 Metern beginnen, reichen die höchsten Parzellen bis auf 700 Meter hinauf. Die Kalksteinböden des Montejurra verleihen den Weinen eine charakteristische Mineralität, die man sofort am Gaumen spürt. Emilio Valerio, der das Weingut seit 1980 leitet, setzt auf
alte Reben mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren – einige Garnacha-Stöcke sind sogar 80 Jahre alt. Diese alten Wurzelsysteme graben sich tief in den Kalkstein und bringen Weine hervor, die mehr von der Mineralität des Bodens als von der Frucht erzählen.
Benediktiner, Pferde und ein Franzose
Die Geschichte des Weinbaus am Montejurra reicht über 1000 Jahre zurück, als hier Benediktiner-Mönche die ersten Reben pflanzten. Dieser
"benediktinische Einfluss" zeigt sich noch heute in der biodynamischen Arbeitsweise des Weinguts, das seit 2002 bio-zertifiziert ist. Emilio Valerio arbeitet mit Pferden zur Bodenbearbeitung und verzichtet komplett auf Bewässerung – die Reben müssen sich selbst helfen. Der französische Önologe Olivier Rivière bringt seine Bordeaux-Erfahrung nach Navarra. Rivière, der parallel ein eigenes biodynamisches Weingut in der Rioja führt, versteht es meisterhaft, die Eigenarten der verschiedenen spanischen Terroirs herauszuarbeiten, ohne seinen französischen Stil aufzudrängen.
Garnacha-Geschichten aus der Höhe
Die
Garnacha dominiert hier mit ihrer besonderen Höhenlagen-Eleganz. Anders als in den heißen Ebenen entwickelt sie in den kühlen Nächten von Dicastillo eine faszinierende Komplexität. Der La Merced 2018 zeigt eindrucksvoll, was alte Malvasia-Reben in diesen Höhen leisten können: Ein Weißwein mit der Struktur eines großen Rotweins, mineralisch und kraftvoll. Für den Alltag empfiehlt sich der
Emilio Valerio 2020, eine Cuvée, die perfekt die Philosophie des Hauses widerspiegelt:
Herkunftsbezug statt Fruchtkonzentration. Die Spitze der Kollektion bildet der
Leorin 2013, ein Wein, der zeigt, wie große Garnacha aus Navarra altern kann.
Französische Barriques, spanische Seele
In der Vinifikation setzt Rivière auf
französische Barriques, aber mit subtiler Hand. Das Holz soll die Mineralität der Kalksteinböden unterstützen, nicht überdecken. Die Weine reifen je nach Jahrgang und Cuvée unterschiedlich lang im Holz, aber nie so lange, dass die Frische der Höhenlagen verloren geht. Was bei einer Verkostung sofort auffällt: Diese Weine schmecken nicht nach dem warmen Süden Spaniens, sondern zeigen eine fast burgundische Eleganz. Das liegt an den kühlen Nächten in 600 Metern Höhe, die den Trauben eine lange Reifezeit bei moderaten Temperaturen bescheren. Emilio Valerio und Olivier Rivière haben hier ein
einzigartiges Terroir-Profil entwickelt, das Navarra von einer völlig neuen Seite zeigt.