
Als Jean-François Hébrard Bordeaux und das Rhône-Tal verließ, war es für sandige Böden in Spanien – und Rebstöcke von 1900. Die
Quinta de la Quietud liegt 700 Meter hoch südlich des Duero, wo
phylloxera-freie Sandböden über 100 Jahre alte Buschreben ermöglichen. Pferde pflügen zwischen den Gobelet-Reben, native Hefen vergären ohne Schwefelzusatz –
Kultweine aus absoluter Stille.
Der Franzose, der Bordeaux für Buschreben verließ
Jean-François Hébrard hatte alles erreicht, was ein französischer Önologe erreichen kann: Ausbildung in Bordeaux, Arbeit bei
Château Haut-Brion und
Château Cheval Blanc, dann erfolgreiche Beratung im Rhône-Tal für Spitzenproduzenten wie Janasse und Fortia in Châteauneuf-du-Pape. 1999 lockten ihn die französischen Gründer Didier Belondrade und Brigitte Lurton nach Toro – für ein Projekt, das verrückt genug war, seine Heimat aufzugeben. 2001 übernahmen spanische Investoren um den ehemaligen
FC Barcelona- und
Real Valladolid-Fußballer Eusebio Sacristán das Weingut, Hébrard blieb als Seele des Projekts. Heute berät er parallel das galicische Weingut
Attis für deren
Albariño-Weine.
100 Jahre alte Reben dank sandiger Böden
Was Hébrard nach Toro zog, war ein geologisches Wunder: Die
sandigen Böden mit 55-85% Sandanteil sind natürlich
phylloxera-frei. Während europaweit alle Reben auf amerikanische Unterlagen gepfropft werden mussten, wachsen hier die ursprünglichen
Buschreben von 1900-1920 immer noch auf ihren eigenen Wurzeln. 22 Hektar bewirtschaftet das Weingut 700 Meter hoch über dem Meeresspiegel, zu 97% mit
Tempranillo – hier
Tinta de Toro genannt – sowie 3% weißen Sorten wie Malvasia und Albillo. Das extreme Kontinentalklima schwankt zwischen -11°C im Winter und +37°C im Sommer bei nur 350mm Niederschlag jährlich.
Pferde statt Traktoren, Natur statt Chemie
Seit 2002 ist das Weingut
bio-zertifiziert, arbeitet aber längst biodynamisch. Pferde pflügen zwischen den alten Gobelet-Reben, die ohne Bewässerung auskommen müssen. Die Erträge bleiben mit 20-40 hl/ha extrem niedrig. Im Keller setzt Hébrard auf
spontane Vergärung mit nativen Hefen und verzichtet komplett auf Schwefelzusatz. Der Kultwein
La Mula de la Quietud 2020 reift 30 Monate in 100% neuem französischen Eichenholz und stammt ausschließlich von den ältesten Parzellen aus den 1900er Jahren.
Kultweine aus der Stille
"Quietud" bedeutet Stille – und die herrscht tatsächlich in der abgelegenen Lage zwei Kilometer südlich des Duero. Diese Ruhe spiegelt sich in Weinen wider, die
Konzentration und
Eleganz perfekt balancieren. Neben La Mula entstehen jährlich 70.000 Flaschen verschiedener Cuvées: Der
Quinta Quietud Reserva 2020 zeigt die elegante Seite des Terroirs, während
Corral de Campanas 2022 brillantes
Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Als Rarität vinifiziert Hébrard aus weißer Malvasia den
La Dulce Quietud, einen Süßwein, der die Vielseitigkeit dieses außergewöhnlichen Terroirs unterstreicht.