Vallée de la Marne · Frankreich
Tarlant

Champagne Tarlant bewirtschaftet in Œuilly und Celles-lès-Condé 14 Hektar im Vallée de la Marne, verteilt auf über 55 Parzellen und bepflanzt mit allen sieben klassischen Rebsorten der Champagne. Benoît und Mélanie Tarlant führen das Gut in zwölfter Generation, die Familie ist seit 1687 in Œuilly ansässig; er arbeitet im Weinberg und im Keller, sie verantwortet Vertrieb und Geschäftsführung. Seit Ende der 1970er Jahre füllt Tarlant ohne Dosage ab, über 90 Prozent der Produktion sind Brut Nature. Unter den Parzellen liegen Kreide, Kalk und Lehm.
Louis Tarlant, Bürgermeister von Œuilly
Im Jahr 1911 protestierten die Winzer der Champagne gegen die grossen Häuser, die zugekaufte Trauben aus anderen Regionen und bis aus Portugal als Champagner verkauften. Louis Tarlant organisierte als Bürgermeister von Œuilly den Widerstand und wirkte im selben Jahr an der Abgrenzung der Champagne mit. Aus dem Ersten Weltkrieg kehrte er in verwüstete Weinberge zurück und entschied, keine Traube mehr an die grossen Häuser zu verkaufen. 1928 füllte er die erste eigene Cuvée ab.
Jean-Mary Tarlant und der Verzicht auf Dosage
Ende der 1970er Jahre begann Jean-Mary Tarlant, der Vater von Benoît und Mélanie, seine Champagner ohne jede Dosage abzufüllen; ohne Zuckerzugabe lässt sich nach der zweiten Gärung nichts mehr korrigieren. Er kehrte dafür zur Gärung im Holzfass zurück. Benoît Tarlant arbeitet heute mit wilden Hefen, lässt die malolaktische Gärung aus und füllt unfiltriert ab. Im Weinberg stört er den Boden so wenig wie möglich, pflügt flach unter der Reihe und hält zwischen den Zeilen eine natürliche Begrünung. Geschnitten wird nach Poussard, gedüngt mit Gründüngung oder organischem Dünger, und gegen Krankheitsdruck setzt er Kräuteraufgüsse ein. Herbizide und synthetische Pflanzenschutzmittel bleiben aus.
Alte Reben in Œuilly
Im Sand der Lage Les Sables hat die Reblaus nie Fuss gefasst. 1962 zog die Familie dort wurzelechte Chardonnay-Reben per Absenker heran, Provignage genannt: Ein Trieb wird vergraben, bis er eigene Wurzeln schlägt. Aus ihnen entsteht La Vigne d'Antan, ein Blanc de Blancs, der acht bis zwölf Jahre auf der Hefe reift. Der Meunier für La Vigne d'Or steht im Lieu-dit Pierre de Bellevue über der Marne, auf 125 Metern Höhe und fünfzehn Prozent Neigung nach Nordosten, auf sparnacischem Kalk und Lehm; Germaine und Georges Tarlant pflanzten ihn 1947 in Massenselektion. Die Chardonnay-Parzelle L'Enclume liegt auf Feuerstein, Les Bouleaux und La Perchape daneben auf Kreide.
Celles-lès-Condé und die seltenen Sorten
In Celles-lès-Condé, ebenfalls Vallée de la Marne, bewirtschaftet die Familie Mocque Tonneau, Le Métier und Haut du Four à Chaux auf hartem lutetischem Kalk mit Lignit. In derselben Gemeinde liegt die Einzellage Notre Dame auf 120 Metern, zwanzig Prozent nach Süden geneigt, dort, wo Surmelin und Dhuys zusammenfliessen; Maurice Boiselle, Jean-Mary und Micheline Tarlant pflanzten sie 1987 in Massenselektion. Der Wein daraus heisst Argilité und vergärt spontan in Terrakotta-Amphoren.
Zu den sieben Sorten gehören auch Pinot Blanc, Arbane und Petit Meslier, die in BAM! zusammenkommen, ergänzt um Reserveweine aus einer Solera. Benoît Tarlant hält die spätreifenden Sorten für eine Antwort auf den Klimawandel: „Vielfalt bei den Pflanzen ist der Schlüssel, um widerstandsfähiger zu werden.“





















